Die Heimkehr

Er hatte wie schon oft auf der Seeterrasse gesessen und an Heimkehr gedacht. Und als Berta, sie nannte ich Michelle, ins Foyer des Club de Voile trat, sah er lange zu ihr hinüber. Eben wandte sie sich, hoch aufgerichtet, im knappen, blauen Kostüm zum nahen Spiegel, prüfte sich, nahm, ohne ihn zu bemerken, Platz, und schon wurde von einem livrierten Kellner ein Damen – Menü mit Trüffeln, Schokoparfait und Wein aufgetragen. Und es würde eines der üblichen Rituale beginnen. Er kannte sie, und jedes war schon einmal zu viel…Entweder griff sie ins aufgeschwärzte Lockenhaar und fingerte in ihrer roten  Lacktasche nach Zigaretten und Feuerzeug – oder sie musterte das Menü und zog die Trüffeln mit der leichten Drehung des Tellers zu sich heran. Sollte sich Appetit einstellen, ergriff sie mit spitzen Fingern die Silbergabel, spießte jedes köstliche Pilzchen einzeln heraus und schob es in den dunkelroten Kirschmund. Beim Zerkleinern der zarten Köstlichkeiten hielt sie wie eh und je ihre Lippen geschlossen, ~ und wenn ihre zarte Zunge zu kosten beliebte, spitzten sich die Lippen wie zu einem leisen Pfiff, eine Unart, die Max so süß fand, dass sie die Gebärde ohne die Trüffel wiederholte. Sie pfiff sie, wenn auch dünn, mehr einen Hauch als ein Signal in den Club, ein reizendes Grübchen grub sich in ihre Wange, worauf Max es mit spitzer Zunge zerstieß. Immer zu. immer zu. Und heute würde er wieder kommen -. Als Fritz abends ins traute Heim trat, saß sie in ihrem sanften Sessel, rauchte und reichte ihm die Wange zum flüchtigen Tete-a-tete. Er bereitete das Abendessen, und während sie es ungekostet stehen ließ, sprach sie von Clubs, Mallorca und freedance und plauderte von Fridas Butik. Schließlich erzählte er, wie er sie neulich wieder einmal mit Max im Club gesehen hatte. Er erwähnte seine Küsse und so manches mehr, was jedermann wusste. „Lass uns ganz neu beginnen“, rief er mit ausgebreiteten Armen. Allein ihre leicht erhobenen Brauen, die fein gerunzelte Stirn hinderten ihn an diesem lässlichen Ausbruch. Sie schien überrascht, verteidigte sich, spöttelte, bestritt. „Du schleichst mir nach?“ fragte sie spitz. „Ich und Mäxi? Wenn, warum nicht?“ Da er schwieg, blieb alles in der Schwebe. Und es wurde wie immer ein stiller Abend.- Als er am nächsten Tag auf die Seeterrasse trat, setzte er sich vor einen Spiegel und blickte in sein müdes, graues Gesicht. So also sah er aus, wenn er an Heimkehr dachte. Und er schloss die Augen wie jemand, der nicht mit sich allein sein kann.